Drachensymbolik & weibliche Kraft
- Laura Deichl
- 27. Dez. 2022
- 5 Min. Lesezeit
Das Symbol und archetypische Bild des Drachens existiert seit Tausenden von Jahren in fast allen Kulturen dieser Welt. Über den Drachen als Bewusstseinsbringer, Quinta essentia, Urkraftebene der Erde und Träger der weiblichen Kraft, und den Drachenkampf.

Das Symbol und archetypische Bild des Drachens existiert seit Tausenden von Jahren in fast allen Kulturen dieser Welt, mit sehr unterschiedlichen Facetten und Aspekten in seiner Symbolik. Als das alles sehende Tier wurde der Drache schon immer als Bewusstseinsbringer gesehen. Zudem ist die Drachenkraft aber seit jeher auch mit der Urkraftebene der Erde und dem verkörperten Leben an sich assoziiert, und damit natürlich auch mit dem Weiblichen. Während der Drache (analog auch die Schlange) wie auch die weibliche Kraft mit dem Patriarchat in vielen Kulturen Welt zum Inbegriff des Bösen gemacht, in den Schatten gedrängt und tabuisiert wurden, wurde in den alten matrifokalen Kulturen der Drache als heiliges Tier wie auch das Weibliche und die Erde als Leben hervorbringende Kraft verehrt.
Etymologie - Bewusstseinsbringer
Etymologisch betrachtet bedeutet Drache (griech.: drakon, engl. dragon) 'das alles sehende/wissende Tier'. Dabei ist er eng mit der Symbolik des Auges verbunden. Hier ist der Drache also Ausdruck des Bewusstseins, der Erkenntnis, er ist Bewusstseinsbringer. Das entspricht natürlich auch der Symbolik der Schlange in der jüdisch-christlichen Erzählung im Paradiesgarten. Wie der Mensch als Adam und Eva von der Schlange dazu 'verführt' werden, den Apfel vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse zu nehmen, wird ihnen ermöglicht über die Erfahrung des Menschseins auf Erden den Weg der Bewusstseinsentwicklung zu gehen. Auch hier ist also die Schlange Bewusstseinsbringerin. Zudem ist sein Name etymologisch auch verwoben mit dem englischen Wort ‚trek’, dem Pfad, der Spur. Die ‚Urwege'. In der Geomantie kennen wir großräumige, lineare Phänomene mit den Namen Drachenlinie und Drachenweg, auf denen genau diese Kräfte ganz besonders intensiv wahrnehmbar sind (mehr siehe unten).
Die quinta essentia
Der Drache trägt alle vier Elemente in sich. Mit seinen Fischschuppen, seiner echsenhaften Gestalt, den Löwenpranken und dem Feueratem sowie seinen Flügeln vereint er die vier Elemente Wasser, Erde, Feuer und Luft, und ist somit auch Verkörperung der Quinta essentia - das fünfte Element, der Äther, die Formbildekraft. Ebenso wird Jesus Christus oft als diese Quinta essentia dargestellt, als das Göttliche, das sich im Irdischen manifestiert bzw. da wo der Mensch die Materie (die Vier) transzendiert und im Christusbewusstsein sein göttliches Menschsein auf Erden lebt. In der Alchemie wurde die Quinta essentia als der göttliche Lichtfunke und das eigentliche Heilprinzip und Potential in allem gesehen, das aber aus der rohen Substanz erst durch alchimistische Verfahren freigelegt werden musste. Die Drachenkraft wird also hier quasi zum göttlichen Potential, das aller Materie innewohnt.
Urkraftebene
Wie sich der Drache in seiner Symbolik auf die Bewusstseinsebene bezieht, ist sie aber auch seit jeher mit der Urkraftebene, der Lebenskraft und dem verkörperten Leben an sich assoziiert. Hier ist die Drachenkraft in der Geomantie neben der Bewusstseinsebene Gaias auch ihre Urkraftebene. Die Drachenkraft ist das, was die Formwerdung und Materie erst ermöglicht. Dabei ist die Drachenkraft hier auch eng verwoben mit der vitalenergetischen Lebenskraftebene der Landsschaft. In der Geomantie kennen wir zudem großräumige, lineare Phänomene mit den Namen Drachenlinie und Drachenweg, auf denen genau diese Kräfte ganz besonders intensiv wahrnehmbar sind. Auf diesen Linien findet man oft noch frühgeschichtliche Kultstätten. Später wurden viele davon vom Christentum 'übernommen' und sind heute oftmals weiblich geweihte Wallfahrtstätten, wie alte Marienkirchen.
Weibliche Kraft als Drachenkraft
Damit sind wir nun auch bei einer weiteren Aspekt der Drachenkraft - denn ist sie analog zur Urkraftebene der Erde auch schon immer mit der weiblichen Kraft assoziiert gewesen. Das weibliche Prinzip ist kulturübergreifend schon immer zutiefst mit der Erde und dem Körperlichen verbunden, ist es doch das, was als empfangendes Prinzip einem geistigen Impuls erst ermöglicht sich in der Materie zu verwirklichen. Somit ist der Drache gleichermaßen schon immer auch Symbol für die weibliche Kraft, die Schoßraumkraft als Quelle unserer Kreativität, Intuition und schöpferischen Kraft.
Der kulturelle Drachenkampf
Gleichermaßen wie es in fast allen Kulturen dieser Welt den Drachen gibt, gibt es auch das archetypische Bild des Drachenkampfes - das aber über die Jahrtausende sehr unterschiedlich interpretiert und gelebt wurde. Sei es in der griechischen Mythologie der Omphalos in Delphi, mit dem die weise Python, als frei in der Landschaft umherschwingende, mäandrierende Drachenkraft (weibliches, zyklisches Prinzip), gepfählt wird. Damit wollte man bewirken, dass das Orakel nicht nur einen Tag im Jahr, sondern dauerhaft verfügbar ist (männliches, lineares Prinzip). Sei es Jahwe, der den Urdrachen Rahab tötet, um damit Ordnung in die Welt zu bringen. Seien es bei uns im Christlichen Georg oder Michael mit ihrer Lanze als Drachentöter. Aber auch in Mexiko, Australien und vielen anderen Kulturen dieser Welt findet sich in der Zeit des Übergangs zum Patriarchat ebendieses Motiv.
Ursprünglich war dieses Bild eigentlich nicht als ein Kampf mit dem Drachen als 'Bösem' gemeint, sondern vielmehr ein Beherrschen, ein Reiten der Drachenkraft. Nicht die Materie, der Körper und seine Triebe sollen den Menschen lenken und beherrschen, sondern der Mensch als göttliches Wesen soll den Körper und die Materie in einem höheren und heiligen Sinne lenken können. Daher wurde der Drache in den alten matrifokalen Kulturen wie auch die Frauen wie auch die Erde selbst als die Lebengebenden verehrt.
Doch wollten wir als kollektive Menschheit mit dem Patriarchat in eine neue Erfahrung gehen. So findet man seitdem auch eine andere Interpretation des archetyptischen Bildes, in der der ‚böse’ Drache gepfählt oder getötet wird. Gleichermaßen wurden seitdem die weibliche Kraft wie auch die Urkraft der Erde gepfählt bzw. in den Schatten gedrängt, tabuisiert. So wurde in den letzten 2500 bis 3000 Jahren das weibliche, empfangende, verkörperte, emotionale, zyklische, intuitive Prinzip unterdrückt, und zwar in der Frau wie auch im Mann. Wir alle wurden in unserer Kultur in einer Weise erzogen, die uns nach männlichen Qualitäten streben lässt. Das dominierende Prinzip wurde das männliche - transzendentale, analytische, lineare, kompetitive.
Gleichermaßen spiegelt sich das ebenso im Umgang mit der Materie und der Erde wieder, wo wir komplett den Bezug zur einem heilen und heiligen Umgang mit der Materie verlernt haben. Wir huldigen dem Materialismus und Konsum, und haben vergessen, dass die eigentliche Wirklichkeit unsichtbar ist. Wir binden, manipulieren und beuten die Drachenkraft, Urkraft, Gaias aus - sei es durch Massentierhaltung, konventionelle Landwirtschaft oder Regenwaldabholzung, Gentechnik oder Atomenergie - ohne etwas dafür zu geben. Wir leben eine verzerrte Se*ualität, die so sehr auf die Körperlichkeit fokussiert ist, haben aber sie über unsere Ahnenlinien auf unserer Zellebene als tabu abgespeichert. Doch alles in den Schatten gedrängte wird dämonisch und kommt zurück – weil es nicht gelebt werden darf. Und auch das ist schon lange deutlich, im Hinblick auf die Vorfälle in kirchlichen wie anderen Institutionen heute mehr denn je.
Ins Menschsein der Neuen Zeit
So dürfen wir uns in dieser Neuen Zeit nun wieder erinnern, dass wir als Mensch auf die Erde gekommen sind, um genau in der Erfahrung der Materie, eines inkarnierten Körpers auf einer physischen Erde Erfahrungen zu machen, die uns Bewusstsein bringen. Dafür ist der Mensch gemäß den Schöpfungsstrukturen der alten Schriften überhaupt erst gekommen - um die Schöpfung durch seine Erfahrungen letztendlich wieder zu erlösen, nach Hause zu bringen.
So dürfen wir nun die alten Prägungen und Erinnerungen an Verletzungen aus unseren Ahnenlinien und früheren Leben in uns auflösen, dürfen alte kollektive und individuelle Wunden heilen und in Erkenntnisse transformieren. Wir dürfen uns wieder erinnern, das auch alle Materie göttlichen Ursprung und heilig ist, und letztendlich nie etwas getrennt von unserem aller Ursprung war.




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