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Nachtschatten - Bittersüße Heilkraft & Mondscheinkraut

  • Laura Deichl
  • vor 5 Tagen
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 4 Tagen

Mit seinen filigranen violett-gelben Blüten, dem rankenden Wuchs und wechselndem Geschmack ist der Bittersüße Nachtschatten eine sehr merkurielle Pflanze. Gerade blüht er an seinen feuchten Standorten. Über das Pflanzenwesen und seine Verwendung.




Dieser Tage am Donauzusammenfluss von Brigach und Breg. Ein magischer Ort, an dem sich die Qualitäten zweier Flusswesen zu einem neuen, dritten Wesen vereinigen, das als Donau nunmehr fast 3000 km bis zum schwarzen Meer fließt. Direkt am äußersten Punkt der Landzunge ihrer Vereinigung steht: das Bittersüß. Mit seinen filigranen violett-gelben Blüten, seinem rankenden Wuchs und wechselndem Geschmack eine äußerst merkurielle Pflanze. Gerade blüht es wunderschön an Ufern, in Auwäldern und anderen feuchten Standorten. Auch wenn es als Nachschattengewächs eine Giftpflanze ist, wurde es in der alten Heilkunde verwendet. Heute kennt man es als fertige Präparate und in der Homoöpathie (Dulcamara) vor allem in der anthroposophischen Medizin. Über das Pflanzenwesen des Bittersüßen Nachtschattens und seiner Verwendung.



Botanik


Der Bittersüße Nachtschatten (Solanum dulcamara) gehört zu den Nachtschattengewächsen (Solanaceae). Er ist eine krautige und rankende, verholzende Kletterpflanze, die sich bis zu 8-10 Meter ausbreiten kann. Die Sprosse sind dabei meistens behaart (selten auch unbehaart). Er blüht von Juni bis August in den auffälligen Komplementärfarben violett und gelb. Die Früchte im Spätsommer sind leuchtend rot in kugelförmigen bis elliptischen Beeren mit reichlich Samen im Inneren. Das Bittersüß wächst bevorzugt an feuchten Standorten wie Ufern und Auengebieten. Die ganze Pflanze inklusive ihrer Früchte ist giftig.



Pflanzenwesen


Das Pflanzenwesen der Dulcamara ist sehr merkuriell. Die Signatur des Merkur sieht man zum einen in ihrem ausgeprägten Ranken und Klettern (mit gleichzeitig wenig Aufrichtekraft). Ebenso in den starken Komplementärfarben (auch Astralpflanzen, gerne Giftpflanzen) violett und gelb seiner filigranen Blüten. Auch die Beeren kommen in allen Farbschattierungen vor, von schwarz über gelb, hellrot und dunkelrot. Die Blätter können im Herbst in Richtung violett abdunkeln. Auch ist der Wechsel im Geschmack (erst bitter dann süß) eine merkurielle Signatur. Gemäß der Elementelehre wirkt im Bittersüß demnach vorwiegend das Luftelement (und etwas das Wasser). Eine weitere Signatur sein Standort in Feuchtgebieten, an Ufern, Auwäldern, Mooren und anderen feuchten Standorten, was einen Bezug der Pflanzen zu Feuchtigkeit und Kühle erkennen lässt, ebenso wie die Reife seiner Früchte im Spätsommer, wenn plötzliche Wetterumschwünge von warm zu kalt den Organismus belasten. Weitere Volksnamen des Bittersüßen Nachtschattens, beziehungsweise Bittersüß, sind Alpranke, Hirschkraut, Seidelbeere oder Wasserranke.





Heilkunde


Bei Hildegard von Bingen in der mittelalterlichen Klostermedizin findet man den Nachtschatten (solatrum, Physica 1.121) unter anderem als Heilmittel bei Herzbeschwerden, Zahnschmerzen, geschwollenen Füßen und Schmerzen in den Beinen. So schreibt sie unter anderem: „Und wer am Herzen Beschwerden hat oder am Herzen schwach ist, soll Nachtschatten langsam in Wasser kochen, das Wasser ausdrücken und ihn so warm über sein Herz legen, und es wird ihm besser gehen, denn die gute Wärme des Krauts mildert, aktiviert durch fremde Wärme den Schmerz des Herzens." Auch Kräuterpfarrer Kneipp verwendete das Bittersüß äußerst gerne. Für ihn war es eine wichtige Pflanze zur Erhöhung der Ausscheidungen, also der Unterstützung der Entgiftung, in seinem Rheumatee.


Das Bittersüß enthält neben Solanin unter anderem verschiedene Alkaloide, Gerbstoffe, Bitterstoffe und Steroid-Saponine. Im Leitbild des Bittersüß (Dulcamara) in der Homöopathie liegen alle Krankheitsbilder, die infolge von Wetterwechseln von warm nach kalt, Zugluftempfindlichkeit, kalter Feuchtigkeit, Durchnässung und Verkühlung insbesondere im Spätsommer ab Mitte August bzw. im September/Oktober passieren. So schreibt Boericke: "Heiße Tage und kalte Nächte gegen Ende des Sommers sind für die Wirkung von Dulcamara besonders günstig und es ist eines der Mittel, die mit ihren Symptomen den Folgezuständen von feuchtem Wetter entsprechen." Dazu gehören Blasenentzündungen, rheumatische Beschwerden (siehe auch feuchter Standort), verstopfte Nase, Asthma, Myogelosen und Ischialgien oder Augenentzündungen. Ebenso bei Folgen von unterdrückten Schweißen und Sekretionen.


Vor allem in der anthroposophischen Medizin (wie auch in der indischen Medizin) wird das Bittersüß in der unterstützenden Therapie bei verschiedenen Hautleiden verwendet, wie Neurodermitis, akuten oder chronischen Ekzemen (vor allem bei Rheumatikern und wenn die Haut als Ausscheidungsorgan versagt), Kälteurtikaria oder Warzen an den Fingern. Ein weiteres Anwendungsgebiet sind Entgiftungsrezepte, wobei das Bittersüß ein schweißtreibendes Kraut (Diaphoretikum) ist, das hier als Drainagemittel wirkt (siehe zum Beispiel nach Olaf Rippe und Margret Madejsky).


Miasmatisch wirkt Dulcamara in der Sykose (siehe Bezug zu Blase/Harntrakt, Jupiter). Vom Bittersüß frische Triebe mit Blättern vor der Blüte verwendet.



Wichtig: Aufgrund der Giftigkeit der Pflanzen sollte man unbedingt fertige Präparate bzw. die homöopathische Form verwenden. Nicht in der Schwangerschaft und Stillzeit.





Mondschein, Magie und Mythologie


Nach unseren Altvorderen sollte der Bittersüße Nachtschatten bei wiederkehrenden Alpträumen Abhilfe schaffen (siehe der Volksname Alpranke; übrigens kommt auch das Wort 'Nachtschatten' vom alten Wort Nachtschaden für 'Alptraum'). Ebenso im magischen Brauchtum kam das Bittersüß vielseitig zum Einsatz. So sollte die Pflanze die Kraft haben Dämonen und Hexen zu bannen. Im 17. Jahrhundert wurde es den Kindern gegen Zauberei in die Wiegen gelegt. War die Milch verhext und wurde nicht zu Butter, so sollte man sie durch die Stängel der Alpranke gießen. Ebenso wurde es dem Vieh um den Hals gelegt. Zudem soll es beim Verwandlungszauber eines Werwolfes bei Vollmond (Lykanthropiezauber) verwendet worden sein. In der Steiermark kennt man die Pflanze auch unter dem Namen Mondscheinkraut, dort war es als Heilmittel gegen Schlafwandeln gebräuchlich. Auch im spanischen Galicien war das Bittersüß als 'matryguina' eine Zauberpflanze (siehe mandragora, vgl. Alraune). Im Mittelalter war der Bittersüße Nachtschatten als Symbolpflanze auf Tafelbildern und Teppichen geschätzt.


Die Qualität von bittersüß kennt man natürlich auch im anderen Kontext, und zwar aus der griechischen Mythologie, wo es die paradoxe Natur der Liebe beschreibt.







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HINWEIS: Das Bittersüß ist eine Giftpflanze!! Aufgrund der Giftigkeit der Pflanze sollte man unbedingt fertige Präparate bzw. die homöopathische Form verwenden. Auf keinen Fall in der Schwangerschaft oder Stillzeit verwenden. Diese Ausführungen dienen nur der Information. Die Informationen ersetzen nicht die Beratung eines Arztes, Apothekers oder Heilpraktikers. Alle erwähnten Heilpflanzen haben wissenschaftlich belegte Wirkungen oder haben ihre Tradition in der überlieferten Heilkunde und werden schon lange erfolgreich eingesetzt.



















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