Yule, Sol invictus & Sonnenbewusstsein
- Laura Deichl
- 19. Dez. 2025
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 20. Dez. 2025
Viele alte Kulte würdigen und zelebrieren die Wintersonnwende als eine Wiedergeburt des Lichts und komische Neubefruchtung der Erde. Ein kosmisches Geschehen wie auch der innerer Bewusstseinsweg des Menschen als Sonnenwesen.

Die Wintersonnwende (diese Jahr am 21.12.) wird seit Urzeiten als Wiedergeburt des Lichts zelebriert. Sie markiert den kürzesten Tag und die längste Nacht der Jahres. Es ist die dunkelste aller Nächte und genau in dieser Dunkelheit wird das neue Licht geboren. Die Sonne siegt über die Dunkelheit und im Urmutterbauch der Erde erfolgt eine kosmische Neubefruchtung. Ein Geschehen im Kosmos wie auch in uns selbst, die wir Sonnenwesen sind.
Wiedergeburt des Lichts im Urmutterbauch
Die Zeit der Wintersonnwende ist die Zwischenzeit, oder schon vielmehr, die Nichtzeit. Die Raumzeit öffnet sich in den Zeitraum, in dem auch das Zyklische der linearen Zeit nicht mehr wirkt. Aus diesem Leerraum passiert mit der Wintersonnwende eigentlich eine Erneuerung des Kosmos wie auch die Neugeburt der Zeit selbst. Ein kosmischer Reset sozusagen. Zur Wintersonnwende wird nach den alten Mythologien, die ja immer höhere kosmische Gesetzmäßigkeiten beschreiben, der Sonnengott im Schoß der dunklen Erde wiedergeboren. Die Jahresnacht wurde deshalb bei den Germanen auch die modraneht, die 'Mütternacht' genannt. Es war der Sieg des Lichts. Nicht der Tod gewinnt, denn die Urmütter haben die Sonne wiedergeboren. So wie sich ein Kind aus der Dunkelheit des Mutterleibes gebiert, gebiert sich auch das neue Jahr, der neue Zyklus, aus der Dunkelheit. Alles Lebendige kommt und kam immer aus der Dunkelheit, das ist Gesetz des Lebens. Es ist die Dunkelheit, der schwarze, fruchtbare Boden, aus dem sich das Licht gebiert.
Es ist also ein neuer kosmischer Impuls, der zur Wintersonnwende hereinkommt und die Erde neu befruchtet. Das spiegelt sich in der Konstruktion vieler alter Heiligtümer, unter anderem den Gangräbern wie Newgrange in Irland (die in ihrem Ursprung wohl vielmehr Ahnenhäuser als Gräber sind). Diese sind (bereits 3000 vor Chr.!) exakt so angelegt worden, dass nur zur Wintersonnwende ein Strahl der aufgehenden Sonne durch einen schmalen Spalt bis nach hinten durch den langen Gang an die Rückwand auf eine gemeißelte Triskele fallen kann, sozusagen in den Urmutterleib der Großen Göttin. Eine physische Nachvollziehung, Bekräftigung und Ehrung Neubefruchtung der Erde durch die Sonne, ein geistiger Impuls, wobei das Licht als Kanal, als Brücke dient.
So ist es auch kein Zufall, dass das unter anderem auch das christliche Weihnachten auf die Zeit der alten Feierlichkeiten des Julfests fällt, denn auch hier wird Jesus Christus als das Sonnenkind geboren, als solarer Heros.
Sol invictus - die unbesiegbare Sonne
Der ganze Kosmos unterliegt Gesetzmäßigkeiten, die immer im Kleinen wie im Großen, im Mikrokosmos wie im Makrokosmos wirken. So beschreibt dieses kosmische Geschehen im Außen gleichermaßen den Weg des Menschen selbst. Der Weg der Selbsterkenntnis und Bewusstseinsentwicklung wird seither als ein Weg ins Sonnenbewusstsein gesehen. Es gibt die alten Sonnenkulte, wie den persischen Mithras Kult, in dem Mithras als Sol invictus, die unbesiegbare Sonne verehrt wird. Ich bin das Licht, das Licht ist in mir. Im Mithras Kult sind die letzten der drei Einweihungsstufen Mond, Sonne und Saturn. Die Zwillinge von Mond und Sonne sind die zwei Pole menschlichen Bewusstseins, Wasser und Feuer/Licht, Anima und Animus (C.G. Jung). Der Mond ist die Reinigung von dunklen Kräften, die Sonne als die Selbsterkenntnis. Saturn ist schliéßlich der Hüter der Schwelle zur geistigen, göttlichen Welt, mit dem der Mensch die Fähigkeit erlangt hat, die Polarität von Licht und Dunkel als Einheit, und damit das kosmische Licht zu begreifen.
Im vertikalen Weltbild der Hermetik und Alchimie steht die Sonne in Analogie zum Herzen des Menschen, das uns zwischen Kosmos und Erde, Geist und Materie einbindet und in uns als Seele Körper und Geist verbindet. In der Miasmatik wirkt die Sonne in der Skrophulose und damit in der Säule des Ausgleichs, die zwischen der Anziehung und der Abstoßung steht. Das Herz ist (neben dem Auge) das Sonnenorgan des Menschen. Die Sonne ist Zentrum unseres Planetensystems wie Wesenskern des Menschen, aus dem heraus sich das Bewusstsein in den Raum ausdehnt. Sie ist Quelle unseres Bewusstseins, wie Paracelsus sagte, von der Sonne empfangen wir das Licht der Weisheit. Die Sonne ist Licht, Wärme und Rhythmus, kosmischer Taktgeber, Urquell allen Lebens, im Kosmos wie in uns. Der Weg in die Sonne ist der Weg ins Ich-Bewusstsein, der innere Erkenntnisweg in die eigene Strahlkraft. Im Hexagramm als dem alten Sonnensymbol vereint sie die Dreiecke mit Spitze nach unten wie oben, Geist und Materie, Feuer und Wasser, Weihrauch und Myrrhe, unser göttliches und unser irdisches Dasein im Gold, dem ewigen Lichts des menschlichen Bewusstseins, unseres Herzens.
Die eigene Desintegration & Neugeburt
Wenn die Sonne zur Wintersonnenwende neugeboren wird, schwingen all diese Ebenen in uns selbst mit. Als das göttliche Wesen, das Sonnenwesen, das wir sind, gebären wir uns selbst aus der tiefsten Dunkelheit heraus neu. Wir desintegrieren uns im Vakuum der großen Dunkelheit, geben mutig unsere alte Form preis, nehmen in diesem vollkommen flüssigen Zustand einen neuen kosmischen Impuls auf, treten in einer gewandelten Form wieder hervor und bekräftigen unseren eigenen Bewusstseinsweg. Wir werden zur unbesiegbaren Sonne, die auch die tiefsten Abgründe der Dunkelheit durschreiten kann und nur gestärkt und gereinigt, geläutert wieder daraus hervorgeht.








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