Was ist Mystik?
- Laura Deichl
- 22. Feb.
- 4 Min. Lesezeit
Über den Begriff der Mystik als eine persönliche und unmittelbare Erfahrung einer höheren Wirklichkeit, des Göttlichen. Und über die mystischen Lehren und Weisheitsschulen als Weg der Zugewandtheit zu unserer alltäglichen Welt und ihren Realitäten.

Was meint überhaupt der Begriff der Mystik? Vielleicht denken wir hier zuerst an einen Wald, der im Nebel liegt. Vielleicht verwechseln wir ihn auch mit dem Begriff der Mythen, der Mythologie, als den alten Erzählungen, die unser kollektives Unterbewusstes formen. Das hat wohl alles im weiteren Sinne etwas damit zu tun. Doch der Begriff 'Mystik' beschreibt grundsätzlich zunächst einmal etwas anderes. Er meint die persönliche und unmittelbare Erfahrung einer höheren Wirklichkeit bzw. des Göttlichen, die bis hin zu einer Verschmelzung mit dem Absoluten (als sog. unio mystica) bei Auflösung des Selbst in einem Ganzen reichen kann. Die mystische Erfahrung liegt da, wo wir dem Leben voll zugewandt sind und das Göttliche auf Erden erkennen.
Begriffsgeschichte der 'Mystik'
Der Begriff ‘Mystik’ leitet sich unter anderem von altgriech. μυστικός (mystikós; geheimnisvoll), bzw. griech. μυστήριον (mysterion, Geheimnis und lateinisch mysterium, (Geheimnis; auch Geheimlehre, Geheimkult) ab. Ebenso gibt es einen Bezug zu μυέειν (myéein; einweihen, beginnen oder initiiert werden) bzw. μύειν (myein; sich schließen, zusammengehen). Nachweislich vom Philosophen Origenes (3 Jhd. n. Chr.) wurde er erstmals als Begriff für eine unmittelbare Erfahrung des des Absoluten, Göttlichen verwendet. Mit Dionysius Areopagita (etwa 500 n. Chr.) und seiner Schrift Peri mystikes theologias wurde der Begriff geprägt für eine Theologie, die sich auf die spirituelle Erfahrung ausrichtet. Ab dem 17. Jahrhundert begann der Begriff der Mystik gemäß dem Mystikforscher Michel de Certeau schließlich nicht mehr einen Bestandteil religiösen Denkens zu bezeichnen, sondern eine bestimmte, außergewöhnliche Art religiöser Praxis und Literatur zu bezeichnen.
Die Mystik findet sich als Element oder zumindest Strömung wohl in den allermeisten religiösen und spirituellen Traditionen der Welt. So kennt man zum Beispiel die jüdische Mystik, insbesondere mit der Kabbala, die christliche Mystik (vor allem in der Gnosis) oder den Sufismus als die islamische Mystik. Ebenso existiert sie aber auch in den nichttheistischen Traditionen, wie dem Buddhismus oder Daoismus. Vor allem erstere wurzeln natürlich sehr in den Einweihungswegen und okkulten Offenbarungslehren des alten Ägypten, der Hermetik (auch dieser Begriff bedeutet unter anderem wieder 'abgeschlossen', nur den Auserwählten zugänglich) und Alchimie. Dazu natürlich noch viele mehr.
Der mystische Weg
Nach Friedrich Weinreb (im Chassidismus also der jüdischen Mystik zu verorten) findet der mystische Weg in bestimmten Elementen Ausdruck. So ist die mystische Erfahrung zunächst einmal immer ein ganz persönliches Erleben, eine ganz unmittelbare Erfahrung einer höheren Wirklichkeit bzw. des Göttlichen. Wie Weinreb sagt, 'Man kann Mystik nicht studieren', noch kann sich vornehmen, eine mystische Erfahrung zu haben, oder gar Mystiker 'zu werden' oder zu sein. Die mystische Erfahrung ist einfach, sie kann nicht willentlich hervorgerufen werden.
Die mystische Erfahrung ist für gewöhnlich ein intensiver, tiefgreifender Zustand, der über die gewöhnliche Wahrnehmung hinaus ins Transzendente führt. Sie kann sich vollständig den rationalen und kausalen Maßstäben entziehen (muss aber nicht; und trotzdem bleibt immer ein unerklärlicher Rest). Sie liegt oft jenseits dessen, was wissenschaftlich erklärbar ist, sie entzieht sich dem Verstand. Und sie findet oft keine Worte, um sich nach Außen zu erklären ('Unsagbarkeit').
Die Mystik anerkennt die Existenz der zwei Seiten des Menschen und der Welt: das Diesseitige, Konkrete, Sichtbare, und das Jenseitige, Verborgene. Die Mystik betrifft eben diese Verborgenheit im Menschen, das Jenseitige, das Nichtbewusste und Nicht-Sichtbare.
Den mystischen Weg zu beschreiten folgt der Sehnsucht des Menschen zur Quelle zurückzukehren, er ist Ausdruck davon, das die sichtbare, manifeste Welt ihren Sinn sucht. Der mystische Weg ist dabei aber keine Flucht aus der Welt, dem Alltag. Sondern die volle Zugewandtheit zu ihren Realitäten. Er konfrontiert den Menschen mit der Frage nach dem Sinn des Bösen, des Leides, des Unrechts, in denen das Geheimnis der Welt liegt. Er möchte nicht, dass wir diese Geheimnis der Welt ergründen, sondern es erleben. Dass wir uns der Welt voll zuwenden, in ihrer umfassenden Ganzheit von Gut und Böse, Freude und Leid, um genau darin zu erkennen, dass das Göttliche, der Himmel immer schon auf Erden war.
Das Geheimnis
So gibt es viele alte mystische Traditionen und Weisheitslehren. Viele davon waren Geheimlehren, die nur Auserwählten vorbehalten waren, was auch der Bergriff μυστήριον, Mysterion, das 'Geheimnis' meint. Doch wie dieses Geheimnis, das Verborgene, in der Art und Weise der Vermittlung seiner Lehre zum Ausdruck kommt, beschreibt es auch schon sein Inneres. Der mystische Weg ist ein Einweihungsweg, myéein, wir werden eingeweiht, initiiert. Es ist, das Verborgene, das Geheimnis der Welt, des Lebens und der Schöpfung, und letztlich das Verborgene unserer selbst zu ergründen. Um genau dadurch in die unmittelbare Begegnung und Vereinigung mit dem Göttlichen zu kommen.
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