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Archetypen, Mythos, Urbilder als innere Landkarten

  • Laura Deichl
  • 21. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 22. Jan.

Seit vielen Jahren gehe ich in meinen eigenen Prozessen ganz intensiv mit Archetypen, Mythen und Urbildern. Eine Bewusstseinsarbeit, die unfassbar kraftvoll ist. Ich hab sie lange ganz intuitiv praktiziert, und mich nun strukturierter mit ihr befasst.





Seit vielen Jahren gehe ich in meinen eigenen Prozessen ganz intensiv mit Archetypen, Mythen und Urbildern. Eine Bewusstseinsarbeit, die unfassbar kraftvoll ist. Ich hab sie lange ganz intuitiv praktiziert, nirgends gelernt oder gelesen. Sie kam einfach aus meiner tiefen Faszination und dem immerwährenden Erforschen von Schöpfungsstrukturen. Die ja immer ein Spiegel vom eigenen Inneren und dem wahrgenommenen Außen sind. Zunächst über die alten Pflanzengeschichten und Landschaftsmythologie, später über die Miasmenlehre der Homöopathie und die Astrologie, die Bewusstseinsarbeit übers Träumen und Pirschen und die Lehren von Castaneda, dann die intensive Beschäftigung mit der jüdischen Mystik über Friedrich Weinreb und Martin Buber, und schließlich über die letzten Monate über mein Studium der Alchimie, hermetischen Lehren und alten Weisheitswege, hab ich mich auf verschiedensten Wegen den archetypischen und mythischen Grundstrukturen genähert, die unser kollektives wie individuelles Menschsein beschreiben und begleiten, und jenseits der Raumzeit im Zeitraum zu verorten sind. Mit vielen bin ich eine ganze Zeit lang gegangen, darunter mit verschiedenen Göttinnen, wie Kali, Brigid oder Ambeth, mit der Schlange, mit den irischen Sidhe als Hütern der Landschaft, mit Mutter Maria und Shekhina, David und Salomo (vielleicht kennst du ja den Beitrag dazu Shekhina und dem Achten Tag), die letzten Monate sehr intensiv mit Maria Magdalena und vielen mehr (ihr merkt, fast alle davon sind dann zu meinen online 'Frequenzräumen' geworden).


Doch erst kürzlich hab ich mich endlich mal ganz strukturiert und auch aus konzeptioneller und wissenschaftlicher Sicht dieser Arbeit zugewendet. Die uns, wenn wir sie bewusst betreiben, unfassbar kraftvoll, wie der wunderbare Ethnobotaniker Kevin Johann vor Kurzem formuliert hat, 'als Werkzeuge, Spiegel und Landkarten der inneren Wirklichkeiten' in unseren indiviellen Prozessen wie auch unserem kollektiven Menschheitsweg unterstützen. Ein kleiner Überblick.



Archetypen & Urbilder


Der Begriff des Archetypen kommt zunächst etymologisch von archē ('der Ursprung') bzw. dem Präfix archi-  ('ur-', 'ober-', 'haupt-'), und typos ('Schlag', 'Abdruck') bzw. typein ('schlagen'). Er bezeichnet also grundsätzlich eine 'Urprägung' oder 'Grundprägung'. Als Begriff ist er schon aus der antiken Philosophie, vor allem von Philon und Plotin, bekannt. Assoziiert wird er heute meist mit dem Schweizer Psychiater und Psychologen Carl Gustav Jung (1875–1961), dem Begründer der Analytischen Psychologie. In dieser beschreibt der Archetyp Grundmuster der menschlichen Psyche, die im kollektiven Unbewussten verortet sind und als Wirkfakoren menschliches Verhalten und Bewusstsein beeinflussen. Die Gesamtheit aller Archetypen würde demnach der Struktur unseres kollektiven Unbewussten entsprechen, und sie sind a priori vorhanden.


Archetypen leiten sich dabei induktiv aus dem Vergleich von Motiven ab, die kulturübergreifend, zwar variabel, aber in bestimmten immerwährend gleichen Grundmustern zu finden sind (ohne dass diese Kulturen miteinander in Kontakt gekommen wären). Damit sind Archetypen auf einer höheren Wirklichkeitsebene zu verorten. Diese Urbilder und Urformen werden nicht in der Raumzeit vermittelt, sondern liegen im Zeitraum 'gespeichert'. Der Mensch greift über die Jahrtausende immer wieder neu darauf zu und zieht sie in einer bestimmten Ausprägung ins Sichtbare. Sie ergießen sich sozusagen immer wieder aufs Neue in die stoffliche Form, sei es in der Mythologie, in Sagen, Märchen, Träumen, den Symboliken und Bildern der Religionen, astrologischen Vorstellungen oder der Alchemie.


Um nur einige wenige Beispiele. Dazu gehört natürlich die Große Göttin/ Mutter als der 'Mutterarchetyp', kristallisiert unter anderem als die altsteinzeitlichen Venusfigurinen, als Inana (sumer.), Isis (ägypt.), Shakti (hind.), Freya (germ.) oder Maria (christl). Dazu gehört der Weltenbaum oder Lebensbaum, wie der Sephirotbaum in der Kabbala, der Baum des Lebens und der Baum der Erkenntnis von Gut und Böse in der Schöpfungsgeschichte der Bibel, die Weltenesche Yggdrasil (germ.), der Bodhibaum (buddh.), der Yaxche-Baum (Maya), der Baum mit den Früchten der Unsterblichkeit (chin.), heilige Bäume wie die Eiche des Zeus/Donar oder die Sykomore der Göttin Hathor (ägypt.). Dazu gehört die Zweiheit von Sonne und Mond als das Bewusste und das Unbewusste, das Motiv von Held und Widersacher, die Symbole von Kreis als Unendlichkeit und Kreuz als das Aufspannen des Raums im Irdischen, der Schlange als Fruchtbarkeit. Dazu gehören personifizierte Archetypen wie die Shekhina (jüd.), Sophia (christl.) oder Chokma (Kabbala) als die (weibliche) Weisheit Gottes. Und tausende über abertausende mehr. Auch die Kräfte im Zodiac und Planetenkräfte sind erst einmal Archetypen, ja auch die Tiere und Pflanzen, eigentlich alles was Schöpfung ist existiert zunächst mal auf urbildlicher und archetypischer Ebene. Ein Archetyp (wovon das 'Urbild' eine Ausprägung wäre) manifestiert sich also zeitlos und kulturübergreifend immer und immer wieder.



Mythos


Der Mythos greift dann sozusagen in seiner Entstehung auf solche Archetypen und Urbilder zu. Der Begriff des Mythos (pl. Mythen) kommt von lateinisch mythus oder altgriechisch μῦθος (u.a. Laut, Wort, Rede, Erzählung). Doch er ist mehr als eine einfache Erzählung, er weist über sich selbst hinaus. Im Mythos bindet sich der Mensch selbst mit seinem Dasein, die Gemeinschaft wie alle Geschehnisse der Welt in eine höhere kosmische Ordnung ein. Beobachtbares der sichtbaren Welt wird an Strukturen und Geschehnisse in der unsichtbaren, göttlichen Welt angekoppelt, und damit mit höheren Kräften verknüpft. Darin dient der Mythos dem Menschen als eine Vermittlung von Identität, Lebenssinn, übergreifenden Erklärungen und einer kohärenten Welterfahrung. Wie Karen Armstrong in A Short Story of Myth so schön schreibt, ein Mythos beschreibt nicht etwas, was einmal (historisch) passiert ist und dann nie wieder. Ein Mythos beschreibt, was immer und immer wieder passiert, jeden Moment aufs Neue, ja was die Schöpfung erst ins Leben ruft.


Ebenso wie Archetypen sind Mythen auf einer höheren Ebene verortet. Sie verschlüsseln etwas, müssen erst übersetzt werden. Wie Friedrich Weinreb schreibt: “Mythos bedeutet eigentlich Wort. Im Wort ist etwas verborgen, eingeschlossen. Ein ganzes Leben ist im Wort.”  Und: 'In unserer diesseitigen Welt kann man nur Entsprechungen zum Mythos finden. Dort im Mythos gilt tatsächlich ‘Auge um Auge, Zahn um Zahn.’. Dort stimmt es genau. Hier aber kann nur eine Entsprechung gelten.' Der Mythos ist also nicht wörtlich zu nehmen, er muss entschlüsselt werden, seine Bedeutung für unsere Welt und uns selbst verstanden werden. Und dieses Verstehen kann nicht auf einer kausalen, verstandesmäßigen Ebene geschehen. Der Mythos spricht auf Seelenebene, er kann nur empfunden, nicht gedacht werden.



Spiegel & Landkarten unserer Seele


So beschreiben Archetypen, Urbilder und Mythen also die tiefen Strukturen unseres individuellen und kollektiven Menschseins, und helfen uns dieses richtig zu leben. Sie sind lebendige Landkarten unserer Seele. Wie Kevin Johann schreibt, "sie zeigen die inneren Wege der Menschheit, die wir immer wieder neu begehen... und dass die Erfahrungen, die wir machen (...) schon von unzähligen Seelen vor uns gemacht wurden. (...)". Und weiter: [So] lehrt Shiva uns die Demut vor dem Mysterium, Persephone den Umgang mit Verlust, Wandel und Wiederkehr, Inanna die Kraft der Schattenintegration, Pan und Dionysos die Feier des Lebendigen und der Sinnlichkeit, Odin die Kosten für Erinnerung, Einsicht und Weisheit, und Buddha zeigt und die Relativität des Egos und die Verbundenheit von allem, was ist."


All diese hohen geistigen Archetypen, Urbilder und Mythen, Gottheiten, sie existieren nicht außerhalb von uns. So war es nie gedacht. Sie fungieren als Werkzeuge, Spiegel, Landkarten. Wir sind dazu aufgefordert sie in uns zu entdecken und zu verkörpern. Sie verleihen uns ihre Kraft, die wir integrieren. Sie dienen uns dazu, unser irdisches, profan gewordenes Leben wieder zu durchheiligen und zu durchgeistigen, und in höhere kosmische Ordnungen eingebunden und angebunden zu sehen. Sie führen uns auf unserem Weg unserer eigenen Bewusstseinsentwicklung, und darin, ein stimmiges Leben für uns und als menschliche Gemeinschaft zu führen.




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Empfehlung:


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