Beuron - Donau & die Sternengöttin
- Laura Deichl
- vor 1 Tag
- 7 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 17 Stunden
Es gibt wenige Orte die mich tiefer berühren als Beuron. Im ägyptischen Stil und mit urchristlichen wie auch mystisch-hermetischen Bildern kommt hier die Verehrung der Maria wie auch der Donau als Sternengöttin zum Ausdruck. Die Geomantie des Ortes.

Es gibt immer noch wenige Orte, die mich tiefer berühren als das Kloster Beuron, das spektakulär unter Feldwänden in einem Mäander der Donau liegt. Während unserer Seminarwoche in geomantischer Landschaftsinterpretation waren wir letzte Woche mit unserer Ausbildungsgruppe wieder dort. In der Seitenkapelle der Kirche, der Gnadenkapelle, die in ihrem Stil sehr ägyptisch ist und in der Maria quasi als Sternengöttin verehrt wird, könnte ich eine zeitlose Ewigkeit lang sitzen. Völlig durchdrungen von der urreinen göttlichen Liebe und Gnade. Sicherlich gab es an diesem Ort auch schon frühzeitliche kultische Stätten - doch ist es hier vor allem die urchristliche Bilderwelt, verwoben mit hermetischen und mystischen Symbolen, die mich so sehr berührt . All dies, wie auch die Ortskraft an sich mit der Donau, hat die Beuroner Kunstschule in ihrem unverkennbar ägyptischen Stil auf für mich meisterhafte Art und Weise in Gestaltung und Bau aufgegriffen. Eine geomantische Betrachtung und Interpretation von Kloster Beuron.
Im Parabol des Donaumäander
Schon die Lage des Klosters ist spektakulär, in einem großen Mäander der Donau unter Felswänden im oberen Donautal. Geomantisch findet man im Schwingkreis großer Flussmäander oft große kosmische Einstrahlpunkte, so auch hier (hier exakt lokalisiert in der Gnadenkapelle unter der Kuppel). Die Felswände, die fast schon eine Schale, einen Parabol Richtung Kosmos bilden, unterstützen diese Brennpunkt Wirkung nochmal zusätzlich.
Zudem steht alles unter dem Einfluss des Wesens der Donau, über die ich schon mal gesondert geschrieben habe (siehe Donau, Flussgöttin & ihre Tiefe). Die Donau ist für mich von einer unglaublichen Tiefgründigkeit, Dunkelheit und Weisheit. Etymologisch ist ihr Name Donau unter anderem in Bezug zur indogermanischen Silbe danu 'der Fluss'. Aus dem Keltischen kommt dona-aw für 'tiefes Wasser', oder auch do-avv für 'zwei Wasser' der zwei Quellflüsse. Zudem gibt es einen Bezug zur keltischen Muttergöttin Dana oder Danu.
Beuroner Schule im ägyptischen Stil
Die Gründung des Kloster Beuron reicht wohl ins 11. Jahrhundert zurück. Eine Neugründung als Benediktinerabtei erfolgte 1863. Hier gründete sich in 1868 auch die sehr bekannte Beuroner Kunstschule, die sich in ihrem unverkennbaren Stil an der ägyptischen, urchristlichen und byzantischen Kunst orientiert und an Grundideen der Nazarener anknüpft. Von ihnen ist unter anderem das Kloster Beuron und seine Gnadenkapelle ausgestaltet. Auf meisterhafte Weise haben sie die Ortskräfte aufgegriffen und in urchristlichen Bildern wie den Ideen der alten Weisheitsschulen zum Ausdruck gebracht. Nicht nur im Stil der Gnadenkapelle, auch in den Bildern und Schriften findet man viele Strukturen aus den alten hermetischen und mystischen Lehren.


Gnadenkapelle, die urreine göttliche Liebe
Vom Hauptschiff der Kirche kommt man links vor dem Altar in ein Seitenschiff, die sogenannte Gnadenkapelle. Eine zeitlose Ewigkeit lang könnte ich hier sitzen, es gibt fast keinen Ort, der mich tiefer berührt und so sehr ergreift (neben der Odilienkapelle am Mont Sainte Odile natürlich). In ihrer Qualität ist sie völlig durchdrungen von der urreinen göttlichen Liebe. Unmittelbar wird hier erfahrbar, was göttliche Gnade bedeutet, hat man doch die Empfindung, egal was man hinträgt, löst sich in dieser Liebe sofort auf. Ich hab hier schon mehrmals die Empfindung der Durchdringung verschiedener Welten, von Geist und Materie gehabt. Wie ein Zwischenraum, in dem sich Dinge noch entscheiden können wie sie sich manifestieren bzw. wieder ins Geistige zurückgehen. Der Schleier zwischen Raumzeit und Zeitraum scheint hier durchsichtiger zu sein. Man taucht ein in ein Bewusstsein jenseits von Raum und jenseits von Zeit, welche hier in alle Richtungen zu fließen scheint. Hier existiert nichts mehr als die unendliche Stille, das unfassbare Strömen, das diese göttliche Liebe ist. Das Irdische, die Wasserwelt der Materie, wie sie in den mystischen Lehren genannt wird, wird vollends vom göttlichen Feuer durchdrungen - der Sternenkosmos stülpt sich in den Erdenkosmos.
Gleichzeitig ist die Donau, in deren Mäander sie liegt, ihrem Wesen so unglaublich präsent. Das tief weibliche, empfangende Prinzip, das Wasser, trägt die Gnadenkapelle, die im Pol der Stille des Schwingkreises der Donau liegt - wie die Erdengöttin und Sternengöttin selbst die ganze Schöpfung trägt.


Maria, die Sterne und das Meer
Diese Ortskraft wurde von der Beuroner Kunstschule auf wunderbare Weise aufgenommen und in der Gestaltung umgesetzt. Zum einen richtet sich sich die Kapelle zur Donau aus, ist also nicht wie üblich geostet. In der Kuppel findet sich sehr auffällig das blaue Määnderband, über das ein Bezug zur Donau aufgebaut wird. In der Mitte der Kuppel ist schließlich unfassbar präsent die Mater Dei, Gottmutter, mit Jeshua dem Chrisutskind unfassbar präsent dargestellt, wiederum umgeben von blauen Wellenmuster und dem Sternenzelt. Gehalten werden sie von 8 Engeln bzw. fast schon Frauengestalten in den 8 Himmelsrichtungen (wobei 8 in der Zahlenmystik die Berührung zweier Welten ist, wie auch der 8. 'Schöpfungstag' der Tag der Erlösung, an dem das Göttliche als die Materie durchdringend, der Himmel auf Erden, erkannt wird).
An verschiedenen Stellen des Deckenmalerei findet man schließlich verschiedene Bilder und Beinamen der Maria, die sich alle auf ihre Verehrung als Himmelskönigin bzw. Sternengöttin beziehen. Die im ägyptischen Stil fast schon an Isis oder Nuth als Himmelsgewölbe erinnern.
Stella maris - Meeresstern & Sternenmeer
Zum einen wird Maria in der Deckenschrift als Stella maris bezeichnet. Die bedeutet Stern der Meeres, was oftmals den Nordstern meinte. Als Beiname Marias symbolisiert er für gewöhnlich ihre Funktion als immerwährende Führung und Orientierung im Leben. Zudem soll der Name aber ursprünglich ein Übersetzungsgfehler aus dem Hebräischen sein. Maris, also Maria, bedeutet das richtigerweise das Meer. Stella war jedoch ursprünglich wohl stiller, der 'Tropfen'. Maria wird also hier als 'Tropfen im Meer' bezeichnet. Umso spannender, denn in der jüdischen Mystik bzw. Kabbala geht der Moment der Tröpfchenbildung ('Und die Wasser scheiden sich') unmittelbar der Materiewerdung voraus. Im Tropfen vereinzelt sich das Bewusstsein, ist getrennt vom restlichen Meer, der göttlichen Einheit. Maria wird also hier zur Trägerin der Materiewerdung bzw. zur göttlichen Führung durch die Wasserwelt der Materie. Gleichermaßen beinhaltet dieser Name an sich damit auch wieder die zwei Seiten der Schöpfung: in Sternen und Meer, Feuer und Wasser, Geist und Materie, Göttlichem und Irdischem.
Maria als Weisheit am Löwenthron
Ähnliches meint ihr Beiname der Stella matutina, des Morgensterns, als Lichtbringerin. Unglaublich spannend ist hier aber vor allem ihre Darstellung am Thron, flankiert von zwei Löwen. Dies ist eine alte Darstellung von Muttergöttinnen, die man schon in sehr alten matrifokalen Kulturen vor über 8000 Jahren (!) kannte. Der Löwe ist astrologisch ein starkes Sonnensymbol, das wiederum für Bewusstheit, Strahlkraft, Macht und Weisheit steht, und der Inbegriff des göttlichen Menschen ist. Im Christlichen ist die Darstellung bekannt als Maria als Thron Salomonis, ikonographischer Titel für eine alte, sehr spezielle Darstellung der Maria. Der Thron bezieht sich hier auf den von König Salomon aus dem Alten Testament als Sitz der Weisheit. Auf diesem Thron sitzt nun Maria, und wird so zur Sophia, zur göttlichen Weisheit erhoben. Dabei trägt sie Jesus, Träger der Christuskraft, und damit Verkörperung des göttlichen Menschen, den König der Könige.
Pulchra ut luna, electa ut sol
Eine weitere Inschrift, die Maria bezeichnet ist, Pulchra ut luna, electa ut sol - 'schön wie der Mond, auserwählt wie die Sonne'. Die Worte kommen ursprünglich aus dem Alten Testament (Hohelied 6,9). Spannend ist hier, dass die erste Hälfte des Satzes auf der linken Seite der Kuppel steht, die zweite Hälfte auf der rechten. In der Mathematik der Schöpfungstrukturen hinter der heiligen Schrift wie sie in der jüdischen Mystik interpretiert wird (wie auch schon im hermetischen Weltbild der alten mystischen Schriften) ist die rechte Seite bzw. Säule der Schöpfung die göttliche, männliche, der Sonne zugeordnet, die linke die irdische, weibliche, dem Mond zugeordnet. Auch hier kommt also wieder die Schöpfungsstruktur zum Ausdruck, welche die zwei Wesensnaturen des Menschen sind: als irdisches und göttliches Wesen.

Weitere Symboliken
In der Wand- und Deckenmalerei könnte man stundenlang immer neue Details und Symboliken entdecken. Nur einige wenige noch kurz angefügt. Auf den Seitenwänden der Gnadenkapelle finden wir sechs Frauen aus dem alten Testament: Esther, Sulamitis, Judith, Miriam, Eva und Jahel. Die Kuppel wird gehalten von der 4 Himmelswächtern: Stier, Löwe, Adler und Wassermann/Mensch als dem fixen Kreuz in der Astrologie, den vier Himmelsrichtungen bzw. den vier Elementen (mehr dazu auch hier). Weiter die Arca Noa, Arche Noah, Teba, als das göttliche Wort, das den Menschen über die Sintflut trägt (was in den Schöpfungsstrukturen immer das Ertrinken im Fluss der Zeit, also der reinen Fokussierung auf die Materie und das Vergessen des Göttlichen meint). Ianua coeli, das Himmelstor, die Pforte des Himmels - ebenso ein Beiname Mariens, sie als der Weg, über den Jesus aus dem Göttlichen in die Materie kam und das Christusbewusstsein auf Erden verkörperte. Oder auch das Domus Aurea, das goldene Haus, das Bezug nimmt zum Tempel Salomons, der innen mit reinem Gold ausgekleidet war, und wiederum an die göttliche Natur des Menschen erinnert.



Sternenlicht durchdringt die Wasserwelt
Das Symbol von Kloster Beuron (siehe Foto oben) scheint nochmal die Essenz von alldem in einem einzigen Bild zu kristallisieren. Das Sternenlicht strahlt von oben, aus der göttlichen Welt ein. Es durchdringt dabei das Wasser, das hier sowohl die Donau ist als auch die Wasserwelt, das Irdische an sich meint - und damit wiederum die Göttin, die die gesamte irdische, verkörperte Welt trägt. Das göttliche Licht durchdringt das Wasser, und somit erstrahlt es auch unterhalb des Schleiers in der heiligen Dreiheit von Körper, Geist und Seele, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, das immer dreifache Mysteriums des Lebens.
So eröffnet uns Beuron die mystischen Tiefe der verborgenen und offenbaren Welt - der Sterne und des Meers, des Wassers und des Feuers, des Kosmos und der Materie. In der Verehrung der Maria als Sternengöttin erinnert es uns an unser göttliches wie irdisches Wesen - und dass wir letztendlich das Göttliche Licht in den Tiefen des Irdischen, in der Wasserwelt der Materie finden werden, derer hier in Form von Maria gehuldigt wird.
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