Wegwarte - Tonikum, Liebeszauber & Wurzelkaffee
- Laura Deichl
- 3. Juli 2023
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 27. Juli
Die wunderschöne himmelblaue Wegwarte, auch Sonnenwirbel genannt. Sie ist ein Tonikum, ein allgemeines Stärkungsmittel und wirkt anregend auf unseren Stoffwechsel. Sie ist umrankt von vielen Mythen, und ihre geröstete Wurzel früher der Ersatz für Bohnenkaffee.

Die wunderschöne himmelblaue Wegwarte. Sie wird auch Sonnenwirbel genannt, da sich ihre Blüten morgens nach Osten hin öffnen, der Sonne folgend drehen bis sie sich zur Mittagszeit bis zum nächsten Morgen wieder schließen. Jetzt im Juli ist sie leuchtend blau an Wegrändern und Straßen zu sehen. Auch bekannt unter dem Namen Wilde Zichorie, ist sie die wilde Form vieler unserer kultivierten Salate wie Chicorée oder Radicchio. Die Wegwarte ist eine alte Heilpflanze, die schon seit der Antike Anwendung findet und auch später von Hildegard von Bingen sehr geschätzt wurde. Im Jahr 2020 war die Wegwarte Heilpflanze des Jahres. Mit ihren Signaturen von Sonne, Merkur und Jupiter zeigt sie sich insbesondere als Pflanze, die anregend und reinigend auf unseren Stoffwechsel wirkt. Ein Tee aus Kraut und Wurzeln wird bei Verdauungsbeschwerden oder Heiserkeit eingesetzt. In Notzeiten wurde die inulinreiche Wurzel zusammen mit Gerste oder Roggen geröstet als Kaffeeersatz verwendet. Und viel Liebeszauber wurde mit ihr betrieben. Über die Wegwarte, ihr Pflanzenwesen und ihre Anwendung in der Heilkunde.
Botanik
Die Wegwarte (Cichorum intybus) gehört zu den Korbblütlern und wächst als mehrjährige, krautige Pflanze vorwiegend an Weg- und Straßenrändern. Von Juli bis Oktober blüht sie mit leuchtend blauen Blüten, die sich mit dem Sonnenlauf drehen und sich jedoch zur Mittagszeit wieder schließen. Mit ihrem unauffälligem Stängelgerippe aus hohlen, kantigen und raubehaarten, sehr sparrig wachsenden Stängeln und ihrer Blattrosette am Boden, ist sie dann so unscheinbar, dass sie von uns kaum mehr wahrgenommen wird. Die gesamte Pflanze enthält einen bitteren Milchsaft. Die Wegwarte ist äußerst wurzelbetont und besitzt spindelförmig wachsende lange Wurzeln.
Pflanzenwesen
Wie oben schon erwähnt, öffnet die Wegwarte ihre Blüten zum Sonnenaufgang und schließt sie zur Mittagszeit. Über diese Signatur zeigt sie allem voran einen sehr starken Bezug in ihrem Wesen zur Sonne, die über Lichtkräfte und Lebenswärme in uns regiert. Auch als Korbblütler mit ihren strahligen Blüten und über ihren sonnigen und trockenen Standort gehört sie zu den sonnenhaften Pflanzen. Weiterhin lässt ihr bevorzugter, meist sogar ausschließlicher Standort an Straßenrändern und Wegen, also dort, wo im energetischen, ätherischen viel Bewegung da ist (wie übrigens auch schon ihr Name, die Wegwarte!), auf einen stark merkuriellen Einfluss schließen. Merkur ist als Planet der Herrscher über Kommunikation, Bewegung und alle dynamischen Prozesse des Austauschs und der Information. Über die Wurzelbetonung der Wegwarte meint das hier auf körperlicher Ebene insbesondere unser Stoffwechsel (Merkur in der Jungfrau; Erde). Doch ihre himmelblaue Farbe (blau als Farbe des Geistigen; Merkur im Zwilling; Luft) wie auch ihre Vorliebe für den Bewegungsäther der Wegränder hat für mich auch einen geistigen Aspekt, der unsere Weitsicht und Kommunikation unterstützt. Weiterhin weisen ihre ausgeprägten Bitterstoffe sowie zähen Stängel und ledrigen Blätter auch auf Jupiter, und damit die Leber und Entgiftungsprozesse unserer Körpers hin. Diese Zähigkeit ist hier eine spannender Gegenpol zur Zartheit ihrer filigranen Blüten. Als Ruderalpflanze ist die Wegwarte resistent gegen Trittschäden und Umweltgifte, was oft Heilkräfte gegen Umwelterkrankungen anzeigt. Auf der geistigen Ebene ist Jupiter unser Weitblick und unsere klare Sicht auf Dinge. Zuletzt wirkt in ihrem Gerippe, das noch lange nach der Vegetationsperiode stehen bleibt, auch Saturn. In der Elementelehre wirkt in ihr vor allem das (milde) Feuer, auch nehme ich das Pflanzenwesen selbst als von großer Wärme wahr.

Heilkunde
Die Wegwarte ist eine alte Heilpflanze, die schon im alten Ägypten wie auch in der griechischen Antike beschrieben wurde. Hippokrates erwähnte die kühlende Wirkung der Pflanze. Auch im Mittelalter wurde sie von den Kräuterkundigen als große Heilpflanze bei Magenbeschwerden wie Hautgeschwüren empfohlen. Hildegard von Bingen schätze die Wegwarte in Kombination mit der Klette und Honig bei Verdauungsbeschwerden. Ebenso zusammen mit der Klette und in Wein gekocht, sollte sie gemäß Hildegard bei Brustschmerzen und Heiserkeit helfen.
In der überlieferten Heilkunde wird sie zur Anregung des Stoffwechsels und als stärkendes und die Verdauung anregendes Bittermittel verwendet, bei Appetitlosigkeit, Störungen in Leber oder Gallefluss, Völlegefühl oder Blähungen, und damit verbundenen Kopfschmerzen. Ein Tee aus Kraut und Wurzeln wird bei Verdauungsbeschwerden eingesetzt. Bei Augenentzündungen werden nach der überlieferten Heilkunde die Blüten mit heißem Wasser aufgegossen, und eine damit getränkte Kompresse auf die Augen aufgelegt.
Die wichtigsten Inhaltsstoffe der Wegwarte sind dabei ihre Bitterstoffe, sowie auch Gerbstoffe, Cumarine, Phenolsäuren und Flavonoide. Die Wurzel enthält zudem reichlich Inulin. Nach Rudolf Steiner ist die Wegwarte ein Universalstoffwechselmittel. Als süße Bitterpflanze (siehe ihre Inulinreiche Wurzel) wird ihr von Olaf Rippe insbesondere eine Wirkung auf Leber-Galle, Milz und Bauchspeicheldrüse zugeschrieben. Als umweltresistente Pflanzen soll sie hier unsere Entgiftungsorgane anregen und uns bei Umwelterkrankungen und Ausleitung von Schadstoffen unterstützen.
Auf der seelischen Ebene zeigt die blaue Farbe der Wegwarte einen Bezug zum Geistigen, und über ihren Bezug zum Element Feuer zur Intuition (Jupiter gehört unter den Chakren das Dritte Auge). Hier unterstützt die Wegwarte also unsere innere Klarheit und Weitsicht. Diese stellt sich ein, wenn wir auf der geistig-seelischen Ebene Dinge in uns bereinigen und uns von seelischen 'Schlacken' befreien (das entspricht quasi einer 'Entgiftung' auf Seelenebene). William Boericke schreibt in seinem Handbuch der homöopathischen Arzneimittellehre zu Cichorium: "Zähe kämpferische Menschen, mit denen es jeder schwer haben wird, wenn er meint, mit ihnen nach Belieben umspringen zu können." Cichorium hat hier in ihrem Bild insbesondere die Frequenz von kontrollierendem, besitzergreifenden und rechthaberischen Verhalten und starren Ansichten, was aber letztlich in einem versuchtem Selbstschutz aus einer emotionalen Verletztheit resultiert.

Mythologie
Die Wegwarte war in vorkeltischer Zeit eine heilige Pflanze und galt als Verkörperung der Vegetationsgöttin selbt, der Sonnengott und Sohn des Himmels ihr Gemahl. So wartete sie am Wegrand und hielt mit ihrem blauen Augen Ausschau nach ihrem Gemahl. Ähnlich besagt eine alte Geschichte, dass die Wegwarte eine von ihrem Vater verwandelte Prinzessin sei, die am Wegrand auf ihren Geliebten warte. So ist die Wegwarte auch Sinnbild einer treuen Liebe, die mit ewigem Warten verbunden ist. Man schrieb der Wegwarte Zauberkräfte zu, besonders den seltenen weißen Blüten wurde große Kraft nachgesagt, sie sollten vor Gefahren schützen und unsichtbar machen. Sie wurde vor allem für Liebenzauber verwendet. So mischten eifersüchtige Frauen pulverisierte Wegwartenwurzel in das Essen des Ehemanns, um seine Treue zu sichern. Zu einem Zaubertrank verarbeitet sollte die Wegwarte helfen, die Aufmerksamkeit eines Mannes zu gewinnen. Unters Kopfkissen gelegt ließe sie junge Mädchen von ihrem zukünftigen Ehemann träumen. Am Johannistag mit einem goldenen Werkzeug gegraben sollte ihre Wurzel außerdem Unglück abwehren. Im Christentum wird die Wegwarte der Passion Christi zugeordnet. Sie war deshalb auch häufig Bestandteil der Kräuterbuschen, die zu Maria Himmelfahrt gebunden wurden.
Rezept - Teemischung für Frühjahrs- und Herbstkuren
In Kombination mit Löwenzahn und Pfefferminze kann man die Wegwarte für eine Frühjahrs- oder Herbstkur verwenden.
20 g Wegwartenkraut und –wurzel | 20 g Löwenzahnkraut und –wurzel | 10 g Pfefferminzblätter
Von dieser Mischung kann man 2 TL mit 250 ml kaltem Wasser übergießen, zum Sieden erhitzen und anschließend abseihen. Dieser Aufguss wird nach Überlieferung kurmäßig über 3-6 Wochen 1-2 mal täglich getrunken, am besten ungesüßt.
Rezept - Zichorienkaffee
Für Zichorienkaffee die frisch gegrabene Wurzel gut waschen und säubern. In 5 mm dicke Scheiben schneiden, auf einem Backblech auslegen und an der Sonne oder bei 40 Grad i, Backofen mehrere Stunden trocknen lassen. Die getrocknete Wurzel in einer Pfanne ohne Öl bei mittlerer Hitze dunkelbraun rösten, aber dabei aufpassen, dass sie nicht verbrennt. Auskühlen lassen und in einer Kaffeemühle zu einem feinen Pulver vermahlen. Dann wie Filterkaffe zubereiten. Dabei etwa 2-3 EL Pulver auf 250 ml Wasser verwenden. Nach Belieben mit Milch, Pflanzenmilch oder Zucker genießen.
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HINWEIS: Vorsicht bei einer Überempfindlichkeit gegen Korbblütler. Diese Informationen ersetzen nicht die Beratung eines Arztes, Apothekers oder Heilpraktikers. Alle erwähnten Heilpflanzen haben wissenschaftlich belegte Wirkungen oder haben ihre Tradition in der überlieferten Heilkunde und werden schon lange erfolgreich eingesetzt.




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